Heike

Heike? Heike! Diese auf Kundenwunsch gebaute E-Gitarre wurde nach des Kunden Mutter benannt. Ich als Experte für griffige Gitarrennamen begrüße das!

Weg vom Namen, hin zur Gitarre und ihrer Geschichte: Mein Kunde, der eine ganze Reihe Les Pauls verschiedener Hersteller hat, u.a. eine Sonderanfertigung meines leider verstorbenen Kollegen Tom Launhardt, wünschte sich von mir etwas anderes – wusste aber lange Zeit nicht, was. Irgendwann kam die Idee: Eine Flying V, für uns beide der Inbegriff der Rockgitarre. Allerdings wünschte er sich eine moderne Version mit königschen Kniffen im Design. So wurde die Gitarre asymmetrisch, bekam spitzere Spitzen (die großen Rundungen an den Enden, die das Original hat, sind wirklich sehr 50er!) und ein Cutaway, das dem Spieler erlaubt, auch am 24. Bund noch die Hände am Gitarrenhals zu behalten und nicht schon lange auf dem Korpus zu spielen.

A propos Hals: Der ist lang und muss deshalb gut ausgesteift sein! Er wurde fünfteilig aus drei Streifen Ahorn und zwei Streifen Padouk. Das Griffbrett mit einer Mensur von 660mm hat 24 Bünde und ist ebenfalls aus Padouk. Der Korpus ist aus Räuchereiche. Das Räuchern macht die Eiche härter (furchtbar zu bearbeiten – da werden die Werkzeuge stumpf!) und attraktiv silberschimmernd dunkelbraun. Ich fürchtete zu erst, die Eiche wäre zu schwer, aber der kleine Korpus gleicht das Eigengewicht des Holzes aus – so wurde aus dem Fluch ein Segen (keine Kopflastigkeit!). Den Korpus habe ich in Querrichtung gewölbt (von Hand mit dem Hobel!) und eine 3mm-Riegelahorndecke aufgeleimt. Diese gewölbte Decke ist von vorn gar nicht auffällig – tatsächlich nimmt sie der Gitarre vor allem das “brettige” und macht sie elegant.

Die gesamte Hardware ist von Schaller und die Pickups hat sich der Kunde von Amber bestellt. Die Verschaltung ist denkbar einfach: der Toggleswitch schaltet zwischen den Pickups, die jeweils einen Lautstärkeregler haben.

Und wie klingt sie? Etwas anders als die meisten Gitarren, die meine Werkstatt verlassen. Die Ansprache ist wie immer schnell, was ich auf den steifen Hals und das geringe Gesamtgewicht zurückführe, jedoch ist sie insgesamt bassiger, wuchtiger, weniger drahtig und hat ein Sustain bis übermorgen. Schöne Gitarre!

Korpus: Räuchereiche

Der Korpus ist aus harter, schwerer Räuchereiche - da er aber relativ wenig Volumen hat, ist die Gitarre insgesamt eher leicht.

Decke: Riegelahorn, 3mm

Auf den quergewölbten Korpus ist eine 3mm starke Decke aus wildem Riegelahorn geleimt.

Hals: Ahorn/Padouk

Der Hals ist fünfteilig aus Riegelahorn und Padouk verleimt - das macht ihn sehr biegefest.

Griffbrett Padouk

Padouk hat sich als Griffbrettmaterial bewährt. Es ist realtiv Hart, dabei vor allem biegefest und leicht.

Hardware: Schaller

Steg und Saitenhalter sind in bewährter Qualität von Schaller.

Mechaniken: Schaller

Der Kunde ist Grover-Style-Mechaniken gewohnt und bekam deshalb diese in super Qualität von Schaller.

Pickups: Amber Crosspoint

Die Pickups sind die Crosspoint-Humbucker von Amber. Fett und transparent!

Inlay: Perlmutt

Dieses Oval aus Perlmutt ist ein stilisiertes Abbild der Bundeswehr-Erkennungsmarke meines Kunden, das er sich als einziges Griffbrett-Inlay gewünscht hat. Ansonsten markieren Punkte an der Kante die Lagen.